Wann immer ich danach strebe, mich selbst verbessern zu wollen, folge nur zu gern den verschiedenen verlockenden Ideen von Selbst-Optimierung. Und genau darin steckt auch die Problematik für mich. Optimieren muss ich ja nur da, wo etwas nicht optimal ist. So bleibt trotz aller Begeisterung für Veränderung doch immer der schale Beigeschmack darüber, dass ich ein Mängelexemplar bin, das korrigiert, repariert oder verschönert werden muss.
Dass ich wunderbar bin, so wie ich bin, kommt dann in meinen Gedanken nicht vor. Ich sehe mich nicht wie ich bin sondern nur noch wie ich nicht bin und wie ich sein sollte(!)
Und das ist schade.

Visionsreisen, während derer Du Dir vorstellst, wie Du leben möchtest, empfehle ich dagegen sehr. Hier geht es nicht darum, Dich selbst zu verändern. Es geht darum, Ziele zu sehen und Wege dorthin zu entdecken. Es geht um die Frage, welches Leben Du Dir erträumst, wie Du leben würdest, wenn Du es Dir aussuchen könntest.
Im Alltag sind die meisten von uns so eingebunden in Verpflichtungen und Begrenzungen, dass wir leicht vergessen zu träumen. 
Um den Gedanken freien Lauf zu lassen kann es helfen, wenn Du in Bewegung an der frischen Luft bist.
Und das geht so:

Sorge dafür, dass Du Zeit für Dich allein hast und nicht gestört wirst.
Deine Visionsreise ist eine Reise nach innen, eine Einkehr. Sei deshalb wirklich für Dich und sprich nicht in dieser Zeit. Falls Du nicht allein lebst, ist es deshalb vielleicht gut, wenn Deine Umgebung weiß, was Du gerade tust.
Bereite Dich ruhig auf Deine Reise vor. Sorge gut für Dich. Trink vielleicht etwas, bevor Du Dich auf den Weg machst, oder nimm etwas zu trinken mit. Vielleicht magst Du Papier und Stift bei Dir haben, falls Du unterwegs gleich aufschreiben möchtest, was Dir einfällt. Du kannst Deine Eindrücke aber auch noch nach Deiner Rückkehr zusammenfassen. Vielleicht magst Du unterwegs ein Foto machen?
Wenn Du gut für Dich gesorgt hast, kannst Du losgehen.
Vielleicht trittst Du einfach vor die Haustür und lässt Dich treiben. Du wirst staunen, was Du hier noch entdecken wirst. Überall tun sich neue Wege auf, selbst da wo Du geglaubt hast, schon jeden Stein zu kennen. Wir müssen nur lernen, sie zu sehen.
Du kannst aber auch einen Startpunkt aufsuchen, der weiter entfernt ist. Vielleicht gibt es einen Lieblingsplatz, oder einen Ort, den Du schon immer mal besuchen wolltest, oder eine Gegend, die Du schon viel zu lange nicht mehr besucht hast. Dann ist Deine Reise eine größere Expedition.
Grundsätzlich ist es ganz unwichtig, wo Du Deine Füße hinsetzt, wenn Du Dich auf Deinen Weg nach Innen machst. Aber für die Meisten ist es leichter, wenn wir uns in der Natur bewegen und keinen oder nur wenigen Menschen begegnen. Es gibt viel zu entdecken und herauszufinden. Wenn Du diese Reise jede Woche machst, wie ich es empfehle, dann lernst Du nebenbei auch noch, ob Du Ruhe brauchst, oder ob Du sogar mitten in einer belebten Fußgängerzone ganz intensiv bei Dir sein kannst.
 
Die Frage, um die es in jeder Woche aufs Neue geht ist: Wie möchte ich leben?
Der Ja-Aber-Sager in Deinem Kopf hat frei. Und wenn er sich einmischt, dann schicke ihn fort. Versichere ihm, dass Du nichts Unüberlegtes tun wirst. Du möchtest nur ungestört Deinen Traum zu Ende träumen. Und träume! Es spielt keine Rolle, ob Du Dir jetzt schon vorstellen, kannst wie das Alles gehen soll. Wichtig ist jetzt zu fühlen, wie es sich anfühlt, wenn all diese Bedürfnisse erfüllt sind. Mal es Dir in den schönsten Farben aus. Wie fühlt sich das an?
 
Irgendwann kommst Du wieder am Ausgangspunkt Deiner Reise an und gehst zurück nach Hause. Stürze Dich noch nicht sofort in Dein „normales“ Leben. Nimm Dir ein paar Minuten, alles aufzuschreiben. Also: Wie möchtest Du leben?

Zur Einstimmung auf Deine Visionsreise kannst Du das folgende Audio anhören:

Visionsreise: Bieke Meller
Hintergrundmusik: Eighth Sea – GEMAfreie Musik von https://audiohub.de

Lies das Aufgeschriebene erst am nächsten Tag durch, wenn Du etwas Abstand hast. Wie fühlt es sich an, das jetzt zu lesen?

Jetzt darf der Ja-Aber-Sager wieder mitsprechen. 

  • Welche Schwierigkeiten sieht dieser besorgte Teil von Dir? 
  • Was müsste passieren, um diese Schwierigkeiten zu überwinden?

Mach diese Übung am Besten jede Woche oder wenigsten einmal im Monat, an einem festen Termin, der in Deinem Kalender steht. Du wirst staunen, wie viel leichter es Dir von Mal zu Mal fällt, Ideen zu entwickeln und Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen.

Und noch etwas: Denk bei Deinen ersten Visionsreisen noch nicht über Essen und Gewicht nach. Das ist ein Thema für später, wenn Du schon etwas fortgeschritten bist. Es kommt dann von ganz allein.