Woran erkenne ich eigentlich, dass ich ein selbstbestimmtes Leben lebe?

Man sollte doch meinen, dass wir hier heutzutage in Deutschland das größte Maß an möglicher Selbstbestimmung über unser eigenes Leben haben.

Konkret: … dass ich hier und heute in Deutschland ein privilegiertes und selbstbestimmtes Leben lebe … oder leben könnte…

Fragt sich, wie gut jede einzelne von uns mit dieser Freiheit umgehen kann.

Lebst Du das Leben, dass Du leben willst?

Woher weißt Du welches Leben Du leben willst?

Früher, als ich noch so eine ganz junge erwachsene Frau war, sind mir öfter mal Menschen begegnet, die glaubten, sich ein Urteil erlauben zu dürfen. Und sie sagten mir über mich, ich hätte mich noch nicht gefunden. Das kam so nett und gut gemeint daher und war doch ein Urteil. Und ich glaubte, ich müsste noch viel lernen. Damals wusste ich noch nicht, das das etwas Gutes ist.

Als ich älter wurde, und die Menschen immer noch befanden, ich hätte mich noch nicht gefunden, wurde ich nervös. Ich dachte, mit mir wäre etwas nicht in Ordnung.

Dabei war ich diejenige, die vollkommen in Ordnung war.

Mein Leben ist wie unser Garten. Da ist ganz viel ganz großartig und jede Menge Raum für Entwicklung. Wie geil ist das denn?

Im Moment mache ich drei Ausbildungen gleichzeitig. Ganz so hatte ich das nicht geplant. Seit ich den ganzen Tag im virtuellen Klassenzimmer sitze, finde ich für meine anderen Ausbildungen fast gar keine Zeit mehr. Dafür merke ich umso deutlicher, wie gern ich lerne. Diese Neugier auf Leben, auf Wissen und die Lust, alles mögliche auszuprobieren hat nie aufgehört. Nein, ich habe mich noch nicht gefunden, aber dafür habe ich mich auf meiner Suche immer dabei und bin mir eine gute Freundin geworden. Als ich den Blödsinn mich finden zu müssen noch geglaubt habe, war ich mir keine so gute Freundin.

Dafür bringt es eine gewisse Unruhe in mein Leben, wenn ich immer wieder alles Mögliche neu überdenke. Die Vorstellung als psychotherapeutische Ernährungsberaterin selbstständig zu sein fand ich toll. Seit ich merke, dass mir die Leute doch nicht so gespannt lauschen, ist mir klar, wie schwer es sein wird auf diese Weise Geld zu verdienen. Und dann muss ich ja auch noch den Wert meiner Arbeit erkennen, benennen und mich trauen, das zu verlangen. Hilfe!

Aber zurück in meinen Beruf? Wäre ich dann nicht gescheitert? Dann wäre es doch wieder vorbei mit der Selbstbestimmung über mein Leben.

Kennt Ihr noch den Film “Alien”? Ist nicht mein Genre. Irgendwer hatte mich mitgeschleppt, oder ich habe es bei einem Video-Abend gesehen. Aber an den Trailer zu “Alien 2” erinnere ich mich noch gut. “Muss ich da echt wieder hin zurück?” 

Und was wird mit meinen Träumen? Die Verbindung zwischen Psyche und Ernährung. Menschen helfen. Dafür brauche ich Zeit und Energie. Und gleichzeitig brauche ich Geld zum Leben und ja, auch für die Rente.

Je länger ich darüber ernsthaft nachdenke bin ich sicher, ich will beides. Mein Beruf, das was ich am besten kann, ist nämlich doch mehr für mich als einfach nur eine bessere Möglichkeit, Geld zu verdienen. Ich mache das schon ganz gern. Ich hatte es nur vergessen, weil das Ende so bitter schmeckte.

Aber um nochmal auf die Eingangsfrage dieses Textes zurück zu kommen:

Ich bin mitten drin im selbstbestimmten Leben. Ich habe den Luxus, mir darüber Gedanken machen zu dürfen, wie ich leben will.

Und ich bin bereit, mir diese Gedanken auch zu machen. Keiner von uns weiß, ob wir die Freiheit, über unser Leben selbst zu bestimmen, auch morgen noch haben werden. 

Es wäre doch Schade eine solche Chance nicht zu nutzen, wenn sie da ist.