Ich bin ein Zahlenjunkie. Ich liebe es, messbare Werte zu Analysezwecken zu sammeln, in Tabellen einzutragen und daraus schöne Kurven zu zeichnen, schließlich bin ich Mathematikerin.

Trotz meiner Sehnsucht, einen intuitiven Umgang mit dem Essen zu finden, will ich es immer ganz genau wissen. Wieviel habe ich inzwischen abgenommen? Vor allem wieviel Fett habe ich abgenommen? Darum geht es doch. Ich will doch keine dünne Dicke werden sondern gesund und fit. Und hey, das kann man doch alles messen, also will ich es auch wissen.

Ich war schon immer so. Sobald es die ersten Körperfett-Personen-Waagen auf dem Markt gab, hatte ich auch schon eine. Diese Waagen schicken einen leichten Strom durch Deinen Körper, den man nicht spürt, messen den Widerstand und berechnen daraus den Fettgehalt. Klingt nach Magie aber mein analytisches Herz schlug gleich viel höher. So ein tolles Ding musste ich haben. Nun ja, inzwischen weiß man auch, dass Geräte, die nur Sensoren an den Füßen habe, keine Aussage über den Fettgehalt am Oberkörper treffen können und somit ungenau sind. In meinem Fall heißt das, sie zeigen zu wenig Fett an, denn bei mir tummeln sich die Fettzellen vor allem oberhalb des Bauchnabels.

Obwohl meine gute alte Waage ansonsten Top ist, wollte ich sie deshalb durch ein Modell ersetzen, das neben den Fußsensoren auch Handsensoren hat und somit realistischere Werte berechnen kann. Ich bin eben ein Zahlenjunkie, siehe oben. Ich möchte meinen Erfolg messen und analysieren. Ich will wissen, ob der Weg, den ich einschlage, in die richtige Richtung führt. Falls nämlich nicht, dann suche ich mir andere Wege.

Das war der Plan.

Also kaufte ich voller Hoffnung und Freude so ein gutes Stück.

Am ersten Tag stellte ich meine beiden Waagen nebeneinander und verglich die Werte.

Das Gewicht war exakt gleich und der gemessene Fettanteil war wie ich erwartet hatte höher als bei der alten Waage. Ich war zufrieden, nicht mit dem Fettgehalt, der war mir zu hoch, aber mit meiner Neuerwerbung.

Am nächsten Tag zeigte die schöne neue Waage eine viel höhere Zahl an, als ich erwartet hatte und zum Vergleich holte ich die alte Waage nochmal hervor. Diesmal zeigte die Neue 500g mehr an als die Alte. Ich startete Messreihen mit Hantelscheiben und anderen Personen und wurde von Messung zu Messung verwirrter. Mein Vater war Waagenmechaniker ich habe eine Vorstellung davon wie man eine Waage eichen kann. Dies hier ergab sehr klar, dass die neue Waage entweder untauglich war oder defekt. Nachdem ich eine weitere Nacht darüber geschlafen hatte und die beiden Waagen am nächsten Tag eine Differenz von 300g anzeigten, entschied ich mich, die neue Waage zurück zu geben.

Und damit begann die Frage nach der Messbarkeit meiner Bemühungen aufs Neue. 

Brauchte ich die exakte Zahl, oder zumindest die mit Werkzeugen für den Hausgebrauch ermittelbaren genauesten Zahlen, wirklich?

Es gibt noch so eine Messzange, mit der man die Hautfaltendicke an bestimmten Stellen messen kann und die Ergebnisse dann in eine Formel eingibt, die dann mittels einfacher Magie den Fettgehalt bestimmen soll. Allerdings steckt hier der Teufel in der Schwierigkeit, die richtigen und immer gleichen Stellen für die Hautfaltendicke zu finden. Also da kann eine Bald-Elfe eine Menge falsch machen.

Oder genügte doch der Blick in den Spiegel und ein Maßband?

Worum geht es mir wirklich mit meiner Zahlenakrobatik?

Möchte ich sicher sein, dass ich wirklich alles richtig mache?

Viele Fragen und noch keine Antwort.

Frauen haben natürlicher Weise mehr Fett als Männer. Das hat seinen Sinn für Schwangerschaft und Stillzeit und ist schon ganz okay. Dieses Fett lagert der Körper überall unter der Haut ein. Frauen sind darüber zwar nicht glücklich, vor allem, wenn es diese Dellen gibt mit dem unschönen Namen Orangenhaut, aber schädlich für die Gesundheit ist dieses Fett anscheinend nicht. Fett das der Körper im Bauch zwischen den Organen lagert ist da schon riskanter. Das ist dieses gefürchtete viszerale Bauchfett. Im gesunden Rahmen liegt es einfach so zwischen den Organen im Bauchraum herum und schützt sie. In diesem Fall sieht man es von Außen auch nicht. Sobald sich aber ein sichtbarer Bauch zeigt, wird es riskanter. Die meisten Erkrankungen, die man dem Übergewicht anlastet, sollen von zu viel viszeralem Bauchfett verursacht werden, heißt es.

Der Vollständigkeit halber muss ich jetzt noch anfügen, dass sowohl das Unterhautfettgewebe als auch das viszerale Bauchfett bei Männern und bei Frauen vorkommt. Dass große Mengen Körperfett schon allein wegen der schieren Masse, den Körper (in diesem Fall vor allem die Gelenke) belasten können, egal wo sie gelagert sind, erscheint mir auch einleuchtend.

Mein Wunsch, meine Fettschmelze zu dokumentieren und zu verfolgen rührt sicher auch von einer Angst, ich könnte Muskeln abbauen, statt Fett. Davor werden Abnehmwillige häufig gewarnt. Allerdings spricht ja gar nicht so viel dafür, dass das passiert. Muskelmasse geht verloren, wenn wir die Muskeln nicht benutzen (“use it or loose it”) oder wenn wir sie zwar benutzen aber nicht genug Eiweiß aufgenommen haben, um dem Körper das entsprechende Baumaterial zur Verfügung zu stellen. Wenn beides nicht der Fall ist, dann sollte meine Gewichtsabnahme doch im Wesentlichen eine Abnahme von Fett bedeuten, schließlich bin ich jetzt schon seit einem Jahr dabei.

Für mich bedeutet das zweierlei: 

dass ich 

  1. die Körperanalysewaage getrost durch ein Maßband ersetzen kann und 
  2. lernen will mir selbst zu vertrauen, dass ich die richtigen Maßnahmen gewählt habe und dran bleibe.

Dieses Vertrauen kann ich zwar nicht messen aber üben und wenn es groß ist, nenne ich es Selbstvertrauen!