Als ich anfing mich mit intuitiver Ernährung zu beschäftigen, war ich geradezu elektrisiert von der Vorstellung des weisen Körpers, der weiß, was er braucht und wieviel davon. Stell Dir ein Baby vor, habe ich gelesen. Es weiß genau was es will und es weiß auch genau, wann es genug hat. So sei es bei jedem Menschen. Wir hätten nur verlernt darauf zu hören. Das hat mich überzeugt und ich habe mich eifrig ans Werk gemacht, die Stimme meines Körpers hören zu lernen.

Aber es war schwer. Das gebe ich gern zu. Ich wusste nicht immer, was mein Körper gerade will. Natürlich habe ich viel ausprobiert, aber die Frage, was mein Körper braucht, hat mich offen gestanden meistens ratlos werden lassen.

Wer Kinder hat, wird sich vielleicht an die Zeit erinnern, als das Neugeborene seine Bedürfnisse nur durch Weinen äußern konnte. Die Bedürfnisse eines Neugeborenen sind nicht sehr komplex und ziemlich leicht zu verstehen. Es braucht Nahrung, Wärme, Nähe, Spiel und Anregung, Schutz, Reinigung und trockene saubere Kleidung, Hautkontakt und den Herzschlag eines Menschen, Liebe oder zumindest das Gefühl willkommen zu sein. Und doch hat es für alle diese Bedürfnisse zunächst nur ein einziges Ausdrucksmittel. Und die müden Eltern, die gern alles für ihr Baby tun würden, kennen es noch nicht gut genug um die Zeichen zu deuten. Warum schreit das Kind? Warum schreit es jetzt nicht? Und herausgefunden haben die Eltern es durch Ausprobieren. Dabei haben sie bestimmt eine Menge falsch gemacht und das war richtig so. Umwege erhöhen die Ortskenntnisse sagt mein Liebster immer.

Also stelle ich mir meinen Körper jetzt vor wie ein neugeborenes Baby. Es ist alles dran, nur sprechen kann es nicht. Die Intuition hat keine Sprache und Bedürfnisse sind bodenständig, einfach und eigentlich leicht zu verstehen. Mein Körper braucht gute Nahrung, Wärme, Nähe, Schutz, Reinigung und trockene saubere Kleidung, Hautkontakt und den Herzschlag eines Menschen, Liebe oder zumindest das Gefühl willkommen zu sein vielleicht auch. Alles andere ist Kopfkino! Also gar nicht so anders als bei dem Baby.

Und da geht es schon los. Ein neugeborene Baby, auch ein wildfremdes, löst bei vielen Menschen liebevollere Gefühle aus als das eigene Spiegelbild. Wie traurig ist das denn!

Das mit dem Baby habe ich schon mal hinbekommen. Auf jeden Fall hat der junge Mann meine Bemühungen seine Bedürfnisse zu verstehen und zu erfüllen überlebt. 

Da sollte ich doch wohl meinen eigenen Körper ebenfalls lieben können, der ist doch auch mein eigen Fleisch und Blut.

Machen wir uns nichts vor. Auch wenn ich Menschen kenne, die das anders sehen: Ein Bedürfnis nach Fischstäbchen gibt es nicht. Der Körper braucht Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Wasser. Je natürlicher die Lebensmittel sind umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass für Vitamine, Mineralstoffe und sonstige Pflanzenbegleitstoffe ausreichend gesorgt ist. Klingt doch ganz einfach, oder?

Es kann doch keine Raketenwissenschaft sein, zu verstehen, was der eigene Körper braucht. Dann hätte es die Menschheit ja nicht bis zur Raketenwissenschaft gebracht. Allerdings hat seit der Markteinführung des Menschen zu Evas Zeiten das Hintergrundrauschen erheblich zugenommen. Es ist unübersichtlich geworden, wer uns alles in unsere Entscheidungen reinquatscht: Werbung, Zeitschriften, Das Internet, Ärzte, Eltern, der Duft vor einer Bäckerei, Einladungen, Raketenwissenschaftler, Ernährungsberater, Sonderangebote, der eigene Geldbeutel, bunte Verpackungen, die zu eng gewordene Hose, Fitnesstrainer,… 

Ich finde, wir sollten alle mal runterkommen und uns entspannen. Ein bisschen mehr Selbstliebe und freundliche Neugier auf den eigenen Körper, das Wunderwerk der Schöpfung, das jeder von uns bei der Geburt geschenkt bekommen hat, kann helfen.

Wie war das nochmal bei dem Baby? Eigentlich fängt man ja nicht gleich mit Spinatlasagne mit Knoblauch und Pfeffer an. Die meisten Eltern, die ich kenne, haben es zuerst mit einer Banane versucht. Zu meiner Zeit hat man sie zerdrückt und mit dem Löffel angeboten. Moderne Eltern bieten ihrem Kind so viel Nahrung wie möglich als Fingerfood an. So kann das Kind das Essen mit allen Sinnen und selbstbestimmt begreifen lernen.  So nach und nach kommen dann weitere Lebensmittel dazu und so lernen die Kinder essen und die Eltern lernen Kind.

Was meinst Du? Kannst Du das auch? Ich meine mit Dir selbst!

Du musst der Sahnetorte von Tante Lisbeth nicht gleich ganz abschwören, es sei denn Du magst sie nicht. Der Besuch bei der Tante ist zunächst mal ein Besuch bei der Tante und kein Zeitpunkt, Deinen Körper kennen zu lernen. Obwohl… Reinhorchen, wie Dir die Torte bekommt, kannst Du bei der Gelegenheit schon mal. Aber wenn Du so ganz mit Dir selbst bist und Du allein entscheidest, was auf dem Tisch kommt, versuch doch mal auszuprobieren, welches Gemüse Du magst, ob Du Blattsalat verträgst und wie Salat ohne Dressing aus der Flasche lecker sein kann. Und dann beobachte Dich, wie sich Dein Körper danach anfühlt, wie lange Du satt bist, wieviel Energie Du hast.

Ist das ein Deal? Frische unverarbeitete Lebensmittel ausprobieren, um zu lernen, was Dein Körper braucht? Die Torte für die Seele musst Du Dir nicht verbieten, aber eine komplette Ernährung mit hochverarbeiteten Nahrungsmitteln verhindert, dass Du spürst, was Dein Körper wirklich braucht.

Probier es doch mal aus! Zwei Wochen lang versuchst Du zu einer Mahlzeit am Tag nichts Hochverarbeitetes zu essen, also keine Fertiggerichte, keine Kantine, nix aus der Tüte, sondern frische lebendige Nahrungsmittel und dann schreib mir von Deinen Erfahrungen.

Falls Dir Inspiration fehlt, was Du mit all der Gemüseauswahl auf dem Markt Leckeres und Gesundes zaubern kannst, werde ich in der nächsten Zeit hier auf die Seiten anderer Blogs und Kanäle verlinken, die mich inspirieren. Und vielleicht schreibe ich später auch mal den einen oder anderen Küchentipp.
Und noch etwas anderes werde ich in den nächsten Wochen tiefer beleuchten: Hochverarbeitete Lebensmittel! Das sagt und schreibt sich so leicht hin. Und eine vage Idee, was damit gemeint sein könnte, wird jeder haben. Aber was ist das eigentlich? Und was ist überhaupt so böse an der industriellen Verarbeitung? Damit werde ich mich beschäftigen.