Die intuitive Ernährung nach Elyse Resch und Evelyn Tribole (“Intuitive Eating”)
strebt 10 Prinzipien an:
Prinzip 1: Legen Sie die Diätmentalität ab!
Prinzip 2: Honorieren (ehren, stillen) Sie Ihren Hunger
Prinzip 3: Schließen Sie Frieden mit dem Essen
Prinzip 4: Sagen Sie der Essenspolizei den Kampf an
Prinzip 5: Spüren Sie Ihre Sättigung
Prinzip 6: Entdecken Sie den Genussfaktor
Prinzip 7: Bewältigen Sie Ihre Gefühle ohne den Einsatz von Essen
Prinzip 8: Respektieren Sie Ihren Körper
Prinzip 9: Bewegung – Fühlen Sie den Unterschied
Prinzip 10: Erhalten Sie Ihre Gesundheit mit sanfter Ernährung
(erschienen auf deutsch im Goldmann-Verlag mit dem Titel “Intuitiv Abnehmen” – ISBN 978-3-442-17386-0)
Ich werde diese Prinzipien an dieser Stelle nach und nach genauer beleuchten.

Heute beschäftige ich mich mit Prinzip 4

Sag der Essens-Polizei den Kampf an

Du kennst doch bestimmt die Essenspolizei!

Die Essenspolizei kennt alle Diätgesetze und weiß genau, wie man es richtig macht.

Sie wacht über Deine Essensgewohnheiten und passt auf, ob Du Dich genug bewegst.

Und wehe, Du hältst Dich nicht an ihre Gesetze. Dann sorgt sie dafür, dass du Dich so richtig mies fühlst. Und glaub mir, die verstehen ihren Job. Das können die!

Guck ihn Dir an, den schicken Essenspolizisten. Wie freundlich und hilfsbereit er daher kommt. Die Essenspolizei, Dein Freund und Helfer? Von wegen!

Was die Essenspolizei da macht, das ist Amtsanmaßung. Dein Körper ist nämlich Dein Hoheitsgebiet. Dein Körpergefühl und Dein Hunger entscheiden darüber, was, wieviel und wann Du essen darfst und keine Essenspolizei der Welt. Und wo wir schon mal dabei sind: Du allein entscheidest, wie wohl Du Dich in Deinem eigenen Körper fühlst und kein äußerliches Modediktat. Aber das nur am Rande.

Heute geht es darum, wie Du die Essenspolizei vom Hof jagen kannst.

Es war ein mal vor langer Zeit, da malte eine mutige junge Frau eine Friedenstaube auf einen Panzer. Sicher, sie war übermütig und ein bisschen frech, aber lachen musste ich doch.

Und genau diese Courage brauchen wir, um mit dem strengen Essenspolizisten fertig zu werden. Malen wir ihm einen Kussmund auf die Wange und hängen ihm eine Blumengirlande um den Hals, tanzen um ihn herum und dann essen wir, was wir wollen.

Verbote machen uns doch erst recht scharf und wenn dieser Damm bricht, dann übertreten wir nicht nur die Regeln der Essenspolizei sondern auch die unseres Körpers. Also weg mit den Verboten. Natürlich will der Körper nur das beste, gesündeste Essen und auch nicht mehr als er verwerten kann, aber Verbote bringen uns nicht dahin, zu erspüren, was unser Körper gerade braucht. Verbote führen dazu, dass wir unsere Essens-Entscheidungen mit der Nährwerttabelle in der Hand treffen und nicht danach, was uns schmeckt. 

Bei einer von Verboten zusammengestellten Mahlzeit zappelt unsere innere Naschkatze am Tisch herum, wartet auf das Ende der langweiligen Mahlzeit und organisiert sich anschließend eine Leckerei. Und wir wundern uns, warum wir so undiszipliniert sind.

Mädels, jagt den Typen vom Hof. Der tut nur so schick und hilfsbereit. Wenn wir auf ihn hören machen wir uns Schuldgefühle und haben keinen Spaß mehr, weder am Essen noch am Leben. Wir müssen keine Erwartungen erfüllen.

Wir können übrigens nicht alles “richtig” machen, weil niemand entscheidet, was “richtig” überhaupt ist. Richtig ist für Jede etwas anderes, und das bedeutet, ja genau: Du entscheidest, was Du Dir in den Mund schiebst. Weder Deine Oma, die extra für Dich gebacken hat, noch der respekteinflößende Essens-Polizist. Du allein kannst wissen, was richtig ist. Und wenn Deine Intuition nach all den Jahren voller Erziehung und Diäten ein bisschen verschrumpelt und verkümmert ist, dann könnte es Dir gut tun, sie wieder zum Leben zu erwecken. Eine eigene Kompetenz für die eigenen Bedürfnisse ist ein  guter Gegenspieler für einen hartnäckigen Essens-Polizisten und ein guter Anwalt für mehr Freude am Leben.