Es ist früh am Morgen. Ich liege im Bett und betaste meinen flach gewordenen Bauch. Ich habe mehr als 20 Kilo abgenommen und jetzt habe ich Normalgewicht. Ich bin zufrieden. Und jetzt? Das war mein Ziel. Ich wollte nicht wieder so verrückt danach werden, immer dünner sein zu wollen, um dann irgendwann unweigerlich doch alles wieder zuzunehmen.

Wie oft eigentlich schon in meinem Leben…

Der vielzitierte und viel gefürchtete Jojo-Effekt sah bei mir eigentlich immer gleich aus:

Nachdem ich mein Ziel erreicht hatte, verlor ich das Interesse an meinem neuen Leben. Schließlich investierte(!) ich viel Zeit in Sport und gesündere Ernährung und die wollte ich jetzt endlich(!) wieder anderen Dingen widmen. Und dieses “Andere” lockte auf einmal viel mehr und nahm sich Zeit, mehr als angedacht, viel mehr. Die erste Sporteinheit fiel aus und die zweite und das Essen musste auch mal schneller gehen. Weil zunächst noch nichts Schlimmes passierte, auf der Waage meine ich, ging das auch noch so weiter. Und bevor ich überhaupt realisiert hatte, was los war, hatte ich auch schon wieder 10 Kilo drauf. Nein, mein Stoffwechsel hatte sich nicht verändert. Ich konnte sehr wohl etwas dafür, ich habe wieder mehr gegessen und mich weniger bewegt und deshalb habe ich auch wieder zugenommen.

Was also mache ich diesmal anders, um die gewonnene Lebensqualität zu erhalten:

In dem Begriff Lebensqualität ist es eigentlich schon enthalten. Es geht mir um eine nachhaltige Veränderung meines Lebens und meines Körpergefühls. Nicht, am Tag X in “Das Kleid” passen und danach in ein tiefes Loch fallen sondern immer in meinen Körper passen und mit meinem Körper in mein Leben.

Dass ich anscheinend immer ein Ziel brauche, auf das ich hinarbeiten und fiebern kann, kann ich akzeptieren. Wenn ich also verhindern möchte, dass ich nach der Erreichung meines Ziels, entspannt zurück zu Chips und Krimi aufs Sofa sinke, brauche ich von Zeit zu Zeit ein neues Ziel.

Bei mir ist es jetzt erstmal ein Lauf-Ziel. Ich habe ja schon vor einiger Zeit geschrieben, dass ich meine Liebe zum Laufen wieder entdeckt habe. Nachdem ich jetzt normalgewichtig bin, arbeite ich also daran, dass ich noch in diesem Jahr 10 Kilometer ununterbrochen, also ohne Gehpausen, durchlaufen kann. 4 Meilen, also 6,44 km habe ich heute schon mal geschafft.

Vielleicht möchte ich im nächsten Jahr auf einen Halbmarathon hin arbeiten, vielleicht entdecke ich nochmal eine ganz andere Sportart. Wenn sich das Jahr dem Ende zu neigt, werde ich es wissen.

Mein Körper ist mir ein guter verlässlicher Freund geworden und damit das noch lange so bleibt, pflege ich diese Freundschaft. Damit ergibt sich schon von ganz allein, was ich esse und was ich nicht esse. Es stimmt nämlich doch, dass mein Körper selbst weiß, was ihm gut tut. Allerdings ist der Weg zur Erkenntnis für Jede und Jeden von uns anders. Von Anfang an und von selbst wissen die wenigsten von uns, wann, wieviel und was unser Körper braucht.

Und genau wie mein Leben braucht auch dieser Text ein Ziel.

Worauf will ich also hinaus?

Wer meinen Blog liest glaubt vielleicht, es ginge hier um Ernährung und Sport. Dabei geht es um so viel mehr. Wir haben in den letzten Jahren verstanden, dass ein immerwährendes Wirtschaftswachstum nicht möglich ist. Aber wir selbst können sehr wohl immer weiter über uns hinaus wachsen. Ein bisschen anders essen und ein bisschen mehr bewegen ist keine Diät, kein zeitlich begrenztes Experiment, dass man mal eine Weile macht, um damit etwas bestimmtes zu erreichen, um dann aber wieder zu dem zurück zu kehren zu dem, was man für “normal” hält.

Nein! Sobald ein bisschen anders essen und ein bisschen mehr bewegen zum neuen “Normal” geworden ist, sind wir ein Stückchen gewachsen und haben mehr Energie für all die anderen Dinge, die uns wichtig sind.

Wir müssen uns nur die Zeit geben, die es braucht, bis uns dieses neue “Normal” so selbstverständlich in Fleisch und Blut über gegangen ist, dass wir uns das einfach wert sind und es nicht mehr infrage stellen. Zähneputzen stellen wir doch (hoffentlich) auch nicht infrage.

Es geht nicht um Verzicht oder darum etwas aufzugeben. Es geht um Gewinn und Verbesserung. Und wenn der Weg dahin zu steinig und schwer war, dann kann sich die Lust auf das neue Leben schon mal in Frust verwandeln. Deshalb muss Dein Weg immer Dein eigener Weg bleiben und er muss nicht nur für Dich zu bewältigen sein, er muss auch ein schöner Weg für Dich sein. Du bist nicht bei “The Biggest Loser” sondern in Deinem eigenen echten Leben.

Mein Weg ist mein Weg und Deiner ist vielleicht ganz anders. Ich schreibe trotzdem viel darüber, wie ich voran schreite. Denn vielleicht kann ich Dich damit auf Ideen bringen, wo es für Dich weiter gehen kann.

Warum willst Du Dein Leben ändern? Schreib es mir. Ich bin sehr neugierig.