Die intuitive Ernährung nach Elyse Resch und Evelyn Tribole (“Intuitive Eating”)
strebt 10 Prinzipien an:
Prinzip 1: Legen Sie die Diätmentalität ab!
Prinzip 2: Honorieren (ehren, stillen) Sie Ihren Hunger
Prinzip 3: Schließen Sie Frieden mit dem Essen
Prinzip 4: Sagen Sie der Essenspolizei den Kampf an
Prinzip 5: Spüren Sie Ihre Sättigung
Prinzip 6: Entdecken Sie den Genussfaktor
Prinzip 7: Bewältigen Sie Ihre Gefühle ohne den Einsatz von Essen
Prinzip 8: Respektieren Sie Ihren Körper
Prinzip 9: Bewegung – Fühlen Sie den Unterschied
Prinzip 10: Erhalten Sie Ihre Gesundheit mit sanfter Ernährung
(erschienen auf deutsch im Goldmann-Verlag mit dem Titel “Intuitiv Abnehmen” – ISBN 978-3-442-17386-0)
Ich werde diese Prinzipien an dieser Stelle nach und nach genauer beleuchten.

Heute geht es um das 8. Prinzip:

Respektieren Sie Ihren Körper

Das Leben ist kein Ponyhof! 

Auch wenn wir heute in einem Teil der Erde leben, in dem wir ein viel selbstbestimmteres Leben führen können als die meisten Menschen anderswo, hat alles seine Grenzen. 

Bestes Beispiel ist unser Körper. Wir können unsere Haare schneiden und färben und auch sonst allerlei Verzierungen oder Verunzierungen an uns anbringen. Wir können in gewissen Rahmen ab- oder zunehmen, wir können unsere Muskeln trainieren, sofern wir dazu in der Lage sind. 

Und jetzt geht es schon los mit dem großen Aber: Ich habe es zum Beispiel immer sehr bedauert, dass ich auf die Länge meiner Beine keinerlei Einfluss habe. Solange ich keinen operativen Eingriff vornehme, ist mein Gesicht wie es ist. Ich kann es schminken, aber ich kann es nicht verändern. Genauso wenig Einfluss habe ich darauf, ob der Mensch, dem ich gegenüber stehe, mein Gesicht schön oder hässlich findet.

Da spielt es schon eine größere Rolle, wie ich selbst zu mir und meinem Körper stehe. Wir sind aufeinander angewiesen, mein Körper und ich. Seit meiner Geburt haben wir einen Vertrag. Ich gebe ihm, was er braucht und dafür bringt er mich von A nach B und verrichtet auch sonst noch so einiges an Arbeit für mich. Von Liebe war nie die Rede, von Schönheit auch nicht.

Du kannst jetzt natürlich voller Wut auf die Ungerechtigkeit der Welt herumlaufen, weil andere Leute in Deinen Augen schönere Körper oder Gesichter abgekriegt haben. Viel Spaß dabei. Damit änderst Du gar nichts. Die Beschwerdestelle ist geschlossen und Dein Körper ist vom Umtausch ausgeschlossen. Der war ja auch ein Geschenk. Schau ihn Dir doch mal genauer an und überlege, was dieser Körper schon alles für Dich getan hat.

An dieser Stelle müsste jetzt eine Spiegel-Meditation oder -Übung kommen: Stell Dich jeden Tag 3 bis 40 Minuten vor den Spiegel und sieh Dir in die Augen. Bei den Einen soll der Raum dunkel sein, nur von einer Kerze erleuchtet, aber die Kerze soll nicht im Spiegel zu sehen sein. Bei Einigen darfst Du nicht blinzeln, bei manchen sollst Du nackt sein. Haruki Murakami hat beschrieben, wie er sich als junger Mensch vor den Spiegel gestellt hat und akribisch all seine Mängel notiert hat. Wenn ich mich richtig erinnere, ist er auf 27 gekommen und als er es schreibt, ist er bereits um einige Jahre älter und weiser geworden. Er schreibt es mit einem Schmunzeln. Du könntest Dich ja vor den Spiegel stellen und akribisch all Deine Vorzüge beschreiben. Du musst die 27 auch nicht überbieten. Aber Du wirst etwas finden und zwar mehr als einen Vorzug.

Vergiss, was der Zeitgeist und die Mode sagen würden. Dieser Körper ist großartig.

Wie alt bist Du? So viele Jahre ist dieser Körper bei Dir. Auch wenn Du ihn schlecht behandelt hast, hat er vermutlich trotzdem durchgehalten, hat Dich weiter von A nach B gebracht und auch sonst so einige Arbeit getan. Und zwar sogar, ohne von Dir geliebt zu werden. 

Was hältst Du von einer Charme-Offensive?

Unabhängig davon, ob oder wie sehr Du Deinen Körper liebst, kannst Du ihn liebevoll versorgen. Bei der Gelegenheit versorgst Du ja auch Dich liebevoll. Und überhaupt! Wer sagt denn, dass Dein Körper und Du getrennt seid? Die Einen sagen das so und Andere sagen, das alles sei Eins. Es spielt auch keine große Rolle, wie Du darüber denkst. Am Ende zählt, wie Du Deinen Körper und Dich behandelst. Mit einer gesunden und vitalstoffreichen Kost, genug Schlaf und etwas Bewegung wirst Du Dich besser fühlen, leistungsfähiger, wacher. Und Du wirrst Dich selbst auch mehr mögen. Dein Körper kann sich gegen Dein Urteil über Dich selbst nicht wehren, aber Du kannst mit einer veränderten Haltung alles ändern. Du musst Deinen Körper ja nicht gleich lieben, wenn Du ihn nicht schön findest. Du kannst ihm aber Achtung und Dankbarkeit entgegenbringen und ihn gut behandeln. Du hast diesen Körper zu Deiner Geburt geschenkt bekommen und er wird bei Dir sein bis zu Deinem Ende. In guten und in schlechten Tagen, Gesundheit und Krankheit, bis der Tod Euch scheidet. Schon mal gehört? Solange Du lebst, wird Dich Dein Körper nicht verlassen, egal, wie Du ihn behandelst. Wenn Du ihn aber gut behandelst, kann es großartig sein.

Respektiere Deinen Körper! Er ist wie Dein Leben der Einzige, den Du hast.