Diäten funktionieren – aber nicht lange! Das weiß ich. Ich habe es immer und immer wieder gelesen. Und ich habe es auch am eigenen Leib bewiesen. Diäten machen auf Dauer immer dicker und unglücklicher.

Im letzten Jahr habe ich es trotzdem wieder getan. Ich habe mein Essen, meinen Schlaf und meine Schritte überwacht, keinen Zucker und keinen Alkohol mehr zu mir genommen und mich jeden Tag gewogen. Ich habe genau drei Mahlzeiten am Tag gegessen und meinem Bewegungsmangel bin ich mit langen Spaziergängen begegnet. Nach 4 Monaten hatte ich 10 Kilo abgenommen und keinen Appetit mehr auf Süßes.

Toll, aber nach 4 Monaten hatte ich auch die Nase voll davon, mein Essen auszuwiegen und aufzuschreiben. Der tägliche Gang zur Waage wurde zur Qual. Mein Gewicht veränderte sich nicht mehr. Ich war frustriert.

Und nun fielen sie mir wieder alle ein, die Vertreterinnen von Anti-Diät, Body Positivity und so weiter. Susi Orbach hat mir schon in den 80-er Jahren in den Ohren gelegen, als mein Vertrauen in mich selbst noch nicht reichte, als ich noch dachte, andere würden das können, aber ich doch nicht.

Da war ich mir jetzt aber nicht mehr so sicher. Mit der leidigen Wiegerei wollte ich anfangen aufzuhören. Wenn sich mein Gewicht sowieso nicht veränderte, könnte ich das tägliche Wiegen genauso gut bleiben lassen. Einmal pro Woche würde fürs Erste doch auch reichen, oder? 

Am Anfang kam es mir noch vor, als würde etwas fehlen. Das morgendliche Wiegen war zwar eine Qual, gehörte aber zum Morgenritual. Ich stellte mir vor, 5 Kilo in einer Woche zuzunehmen, nur weil ich mich nicht mehr wog. Trotzdem wollte ich es wissen. Es kann doch nicht sein, dass es ausgerechnet mir nicht gelingen sollte, ein natürliches Körpergefühl zu finden. Ich bin doch schließlich nicht blöd!

Und dann kam der der erste Wiege-Tag nach einer Woche. Ich war ein bisschen nervös. Ich hatte keine Idee, wie sich mein Gewicht entwickelt haben könnte. Eine Zunahme war genauso möglich wie eine Abnahme. 

Vor einigen Jahren hatte ich eine lange glückliche Zeit, in der ich mich überhaupt nicht wog. Ich aß monatelang keinen Industriezucker und fand mich großartig und wunderschön. Mein Gewicht war mir egal, dachte ich. Dann kam der Tag, an dem mir eine „wohlmeinende“ Arzthelferin trotz meines Protests mein Gewicht nannte. Ich war wütend auf die Helferin aber ich war auch enttäuscht. Ich wog nämlich 10 Kilo mehr, als ich glaubte zu wiegen. Und von diesem Tag an, an dem ich das gleiche wog wie am Tag zuvor, fand ich mich dumm, dick, faul und gefräßig.

Und wie ist es heute?

200 g weniger als letzte Woche! Und warum, zum Donnerwetter nochmal, bin ich jetzt enttäuscht?